Alexanders Eltern erzählen:
Es war ein herrlicher Sommertag im Jahr 2005. Unsere Kinder Sebastian (6), Alexander (4) und Vanessa (2) spielten im Garten. Wir alle freuten uns, dass das Wetter es so gut mit uns meinte. Wir saßen mit unseren Eltern und Schwiegereltern auf der Terrasse und genossen nette Gespräche. Keiner konnte ahnen, dass uns dieser Nachmittag wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird. Denn danach war nichts mehr wie zuvor. Wie jeden Abend brachten wir die Kinder ins Bett und lasen noch eine kleine Geschichte vor. Alle drei waren müde vom Toben und Spielen.

In der Nacht wurden wir von Alexanders lautem Weinen geweckt. Sein Kopf war glühend heiß und seine Augen blickten fiebrig. Zunächst dachten wir an eine Erkältung oder Sommergrippe. Doch die Nacht wurde zur Hölle und die Symptome immer ausgeprägter und beängstigender. Alexander musste sich erbrechen und schien von Krämpfen geschüttelt. Innerhalb kurzer Zeit zeigten sich an seinem Körper rote Flecken.

Natürlich waren wir sehr besorgt. Aber als der Arzt in der nahegelegenen Klinik, in die wir mit Alexander fuhren, das lebensbedrohende Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom diagnostizierte, von dem wir nie zuvor gehört hatten, ahnten wir allmählich die Tragweite der Beschwerden.

Sofort wurde Alexander intensiv-medizinisch versorgt, denn er hatte inzwischen das Bewusstsein verloren. „Schocksymptome“, „Gerinnungsstörung“, „Organversagen“ waren die Begriffe, die wir zwar hörten, aber in ihrer Auswirkung nicht annähernd einordnen konnten oder wollten.
Alexander wurde ins künstliche Koma versetzt. „Sie müssen damit rechnen, dass Alexander die Nacht nicht übersteht“, erklärte uns der diensthabende Arzt. Wir waren fassungslos – wenn es für unseren Zustand überhaupt eine passende Bezeichnung gibt.
Im Geist sahen wir Alexander noch mit seinen Geschwistern fröhlich im Garten spielen. Die folgenden Tage und Wochen glichen einer Achterbahnfahrt. Therapien, Rückschläge, Hoffnung, Verzweiflung.
Alexanders Leben konnte gerettet werden. Dennoch ist ihm eine Behinderung geblieben, die sein Leben immer prägen wird: Infolge der Meningokokken-Sepsis mussten ihm beide Unterschenkel und ein Teil seiner linken Hand amputiert werden.
Heute, 4 Jahre nach der Infektion, geht Alexander wie jedes andere Kind in die Schule. Wir konnten durchsetzen, dass er eine „normale“ Schule besuchen kann. Er ist gut integriert und kann sogar schon ein wenig lesen. Bis heute wissen wir nicht, wo er sich damals angesteckt hat. Weder Vanessa, Sebastian oder wir waren infiziert.
Mit seinen Prothesen wird Alexander seinen Weg gehen. Da sind wir sicher – auch, wenn es ein beschwerlicherer Weg sein wird als der Weg der meisten anderen Kinder. Dennoch sind wir dankbar, dass er gerettet werden konnte, und empfingen jeden noch so kleinen Entwicklungsschritt als Geschenk.